Der SPD-Mann kämpft für eine andere Politik

Presseecho

Gränzbote, 11.09.09

TUTTLINGEN/ROTTWEIL – Peter Fischer, der Vorsitzende der DGB-Region Schwarzwald-Baar-Heuberg, tritt nach 2005 zum zweiten Mal als SPD-Bundestagkandidat an. Und auch dieses Mal liegt seine Chance auf ein Mandat bei nahezu null. Trotzdem gibt sich der 54-jährige kämpferisch.

Von unseren Redakteur A. Lothar Häring

Gestern Morgen hatte Peter Fischer auf dem Marktplatz in Trossingen eine Art Schlüsselerlebnis. Zwar kamen mehrere enttäuschte SPD-Stammwähler auf ihn zu und kündigten an, dieses Mal eine andere Partei zu wählen, aber dann leistete der Kandidat Überzeugungsarbeit – und hatte am Ende den Eindruck, den einen oder anderen „wieder rübergezogen zu haben“.

Der SPD-Kandidat führt einen aussichtslosen und unkonventionellen Wahlkampf. „Ich achte nicht auf die Ergebnisse von 2005 und auch nicht auf Umfragen“, behauptet er, das sei grundsätzlich seine Art. Aber es wäre auch demotivierend. Als Neuling und Nachfolger von Klaus Kirschner musste Fischer 2005 bei den Erststimmen Einbußen von 5,3 Prozent hinnehmen, und die SPD dümpelt derzeit bei 20 Prozent herum.

Ob er enttäuscht sei, dass ihn die Partei, wie schon vor vier Jahren, wieder nur auf den aussichtslosen Platz 32 der Landesliste gesetzt hat? „Nicht enttäuscht, sondern zornig“, sagt er und klagt „über bestimmte Parteigenossen, die ihr eigenes Süppchen gekocht haben“.

Das alles ist für ihn aber kein Grund zur Resignation. „Wenn ich Politik im Alltag erlebe, dann bin ich motiviert, dann packt mich der heilige Zorn“, sagt er und fügt hinzu: „Ich kämpfe für meine Idee, mein Ziel ist es, meinen Teil dazu beizutragen, dass Mehrheiten für eine andere Politik entstehen.“

Und er lässt keinen Zweifel daran, wie diese Politik aussehen soll: „Der Reichtum ist ungleich verteilt, das muss sich ändern.“ Peter Fischer kann sich richtig in Rage reden bei diesem Thema. „Mein Leitmotiv ist, dass die Leute von ihrer Arbeit leben können“, betont er. „Das ist aber immer weniger der Fall, weil die reguläre Arbeit immer mehr von Minijobs oder Leiharbeit verdrängt wird.“ Und das wirke sich dann auch auf die Rente aus. Auch das, die Rente mit 67, ist für ihn ein Reizthema. Die müsse schnellst möglichst zurückgenommen werden, fordert er, auch wenn das in der SPD derzeit nicht mehrheitsfähig sei.

Keine Koalition mit der Linken

Fischer hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich eine Mehrheit für seine Politik findet. Die Linken will er dabei allerdings nicht dabei haben. „Das ist allenfalls auf Länderebene eine Koalitions-Option, aber nicht auf Bundesebene“, sagt er. Die Linken sind ihm zu opportunistisch. Das zeige das Beispiel Afghanistan. Zwar habe auch er sich von Anfang an gegen einen Einsatz ausgesprochen, aber jetzt könne man nicht einfach die Truppen abziehen, wie von den Linken gefordert, dafür sei ein koordiniertes Vorgehen nötig.

„Meine Wunschkoalition ist eindeutig rot-grün“, sagt Peter Fischer. Und auf die Frage, ob das realistisch sei, antwortet er. „Ich halte das nicht für unmöglich.“ Ein entwaffnendes Lächeln kann er sich allerdings nicht verkneifen.

 
 

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